is doch irgendwie realistisch, oder?

Ich habe mich letztens mal wieder dabei erwischt, wie ich total spießige Gedanken hatte. Zugegeben, ich hatte einen schlechten Start in den Tag, wobei Einzelheiten hier penibel vermieden werden, zu eurem Schutz. Jedenfalls saß ich dann in der Bahn und wollte schön meine Musik hören, um mich zu entspannen – und was kommt dann? Lautere Musik, nicht etwa begleitet von schönem Gesang, wo ich mir denke: „na gut, machste mal die Musik aus und lauschst den Klängen der Sirenen“ und merke erst danach, dass mein Schiff ungebremst gegen die Klippen steuert. Meine Rage hält mich dabei vom Steuer fern. Was ist passiert? Das Übliche, muss man schon sagen: Schnorrer! Am Anfang dachte ich mir noch: „hey, komm, die haben es auch nicht so leicht im Leben, gib denen ne Chance“. Aber wenn dann ein Typ durch die Bahn rennt, aus seinen riesengroßen – aufgrund von nur drei vorhandenen Zähnen – Zahnlücken ein Assigestammel rauspfeift, was ich mittlerweile schon mitsprechen kann, der darüber hinaus von irgendeinem panslawischen Volkskram „düd-düd-dü-düdü-lüd-düd-düüü“ begleitet wird, welcher es nicht einmal auf der musikalischen Ebene vermag, von dem üblen Geruch abzulenken, dann dreht sich mir doch langsam echt der Magen um. Das Beste sind dann immer noch diejenigen, die Hunde dabei haben. Das ist natürlich sehr clever! Erzeugt Mitleid. Da sieht man mal – an alle, die sich jetzt aufregen – dass ihr selber nicht besser seid. Penner mit Hunden kriegen statistisch gesehen häufiger Geld. Ihr habt doch selber alle eher Mitleid mit den Hunden, als mit den Pennern. Das nennt sich Quantitätsaversion. Fragt sich nur, warum die Hunde trotzdem alle so dünn sind, obwohl die Penner Geld kriegen. Ja, da könnt ihr mal drüber nachdenken. Und dann kommen immer dieselben Maschen „ja, ich hab kein Geld für ne Unterkunft und keinen Platz zum Schlafen“ – „na dann schlaf doch nicht!“ manno man!

 

Aber okay, es ist manchmal nicht einmal ihre Schuld. Die Bevölkerung ist nun einmal unterteilt in diverse Schichten, Oberschicht, Mittelstand und das – ja nennen wir es doch – Präkariat. Dabei kommt es doch auf den Staat und seine politischen Edikte drauf an, inwiefern diese Unterschicht existenzfähig ist oder nicht. Und da muss man klipp und klar sagen, dass der Staat einfach mal dumm und faul ist! Das sieht man an der jetzigen Hartz-4-Debatte um die Höhe der Leistungen. Viele asoziale Familien empfinden es mittlerweile als lohnenswerter, vier Kinder zu haben, als erwerbstätig zu sein. Und beim Kinderzeugen verbindet sich ja gleichwohl das Nützliche mit dem Notwendigen. Ich hab euch durchschaut, ihr Rammler! Jedoch ist zu sagen, dass nicht die Sozialleistungen zu hoch sind, sondern die Nettolöhne der aktiven Arbeitnehmer zu niedrig. Zum einen ist die Sozialversicherung falsch konstruiert und zum anderen ist das Steuersystem ungerecht. Die Ungerechtigkeit trifft vor allem Familien. Dabei forderte das Bundesverfassungsgericht seit langem Abhilfe, wohingegen der Gesetzgeber sich seit jeher weigert, die verfassungswidrigen Fehlverteilungen zu korrigieren. Wenn man den Normalfall einer vierköpfigen Arbeiterfamilie nimmt, wird der Abgabenkeil sichtbar, nämlich bei der „lohnbasierten“ Sozialversicherung zwischen Brutto und Netto. Dabei nimmt der Staat – und zu dem Grundeinkommen schließen wir jetzt einfach mal den Arbeitgeberbeitrag, der ja eigentlich zu 100% vorenthaltener Lohn ist!, mit ein – genau ein Drittel weg. Das sind im Klartext ein paar – nicht einmal 100 – Euro weniger, als dem Single abgezogen werden. Für dessen Versorgung (Alters-, Gesundheits-, Pflegeversorgung) allerdings kommen während seines Ruhestandes andere Leute Kinder auf, ist ja klar. Das bedeutet also, die Altenversorgung ist sozialisiert, die Kindererziehung aber privatisiert. Das Bundesverfassungsgericht hat sich mit diesen ungerechten Verteilungsverhältnissen befasst und dem Gesetzgeber die Korrektur dieser Verfassungswidrigkeit auferlegt. Die Bundesregierung hat aber nur sehr zaghaft reagiert, indem sie 2005 den Beitragssatz für Kinderlose um 0,25 Prozentpunkte anhob – was einer Unterlaufung des Auftrages des Bundesverfassungsgerichts gleich kommt. Darüber hinaus kassiert der Staat natürlich vor allem durch die wesentlich höheren Verbrauchssteuern. Somit wird unsere Zukunftsinvestition, die Kinder, extrem belastet. Demzufolge sind die zu hohen Hartz-4-Leistungen lediglich verfassungswidrige Abgabenlasten für Familien. Das bedeutet im Klartext, dass die untere Schicht eigentlich am höchsten belastet wird, was zum Kardinalsproblem der heutigen Zeit führt, die verminderte Kaufkraft. (Dadurch wurde die Leiharbeit entfesselt. Reallohnabgang und vermindertes Wirtschaftswachstum gehen somit Hand in Hand). Der Staat ist ein Arschloch! Von der Tatsache, dass die Lohnniedrigkeit zur höheren Exportfähigkeit führt und somit andere Länder, die auf die Konkurrenzfähigkeit im Binnenhandel angewiesen sind, darunter leiden, da sie nur dadurch ihre Schulden zu tilgen in der Lage sind und somit die gesamte EU in eine prekäre Lage bringen wie es grad in Griechenland, Spanien oder auch Portugal und Italien passiert, ist ganz zu schweigen.

 

Jedenfalls berichten viele Familien mit mehreren Kindern, es sei demnach besser, erwerbslos zu sein. Und dann kommt das, was wir alle kennen, wenn wir den Fernseher einschalten. Die Super-Nanny, erhält sie ihre Existenzberechtigung eben durch diese Familien. Das Grundbild, was uns allen sicherlich bekannt ist, ist immer dasselbe. Die Super-Nanny kommt an und guckt erst einmal, wie das Gefüge der Familie so funktioniert und wo seine Schwachstellen und Kritikpunkte sind. Dann spricht sie mit der Mutter, als wäre das Kind nicht da und könnte nicht mithören, was die Super-Nanny sich grad für psychologische Unterstellungen raus nimmt. Daraufhin bricht die Mutter in Tränen aus…“ich weiß wirklich nicht, wie es…“ – „Mami, mami, darf ich auch mal was essen?“ – „Halt die Fresse, du scheiß Balk! Ja wo war ich stehen geblieben? Ach ja! Ich weiß wirklich nicht, wie es so weit kommen konnte, was haben wir falsch gemacht?“ ja, das ist wirklich eine super Frage, Frau Arschfotzenkopf! Eigentlich ist sie keiner Antwort würdig, aber weil sie es sind und schon das Pech hatten, beim genetischen Roulette ihrer Eltern sämtliche negativen Eigenschaften erworben zu haben, werde ich sie ihnen doch aus Mitleid beantworten: vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht liegt es an den unzähligen Stunden, in denen sie eher vor dem Fernseher vergammelten anstatt sich mal weiter zu entwickeln oder den Willen heraufzubeschwören, ihrem Kind auch nur die kleinste Möglichkeit an Lebens- und Schaffensfreude zu gewähren. Vielleicht liegt es dann daran, dass sie keinen Sinn für Ordnung, Disziplin und Selbstachtung entwickeln konnten, was sie nun an ihr Kind weiter geben. Vielleicht liegt es darüber hinaus im Laufe der „Entwicklung“ (was in dem Falle ein wirklich gutmütig gewähltes Wort darstellt) ihres Kindes daran, dass sie sich nicht einmal den Gedanken in den Sinn haben kommen lassen, dass ihr Kind vielleicht, wenn es später mal nüchterner auf sein Leben und seine Habseligkeiten (einen Stift und einen heruntergeschluckten Kaugummi) blickt, sich aber auch wirklich nur vielleicht doch insgeheim – weit weg von der routinemäßigen Trotzhaltung, welche sein Versagen lieber als Überzeugung rüber kommen lässt anstelle von bekümmerter Resignation – wünscht, besser zu sein oder etwas besser gemacht zu haben. Und vielleicht, wenn Sie dann nicht Gott sei Dank schon tot wären, würden Sie auf ihr Leben und ihre Habseligkeiten (einen nie benutzten Stift, einen verschlungenen Kaugummi und ein sozial impotentes Kind) blicken und sich insgeheim wünschen, den ein oder anderen Weg nicht gegangen zu sein oder in ihrem Fall, überhaupt mal einen Weg gegangen zu sein! Aber das ist lediglich reine Spekulation. Alternativbetrachtungen führen zur ipsativen Konsequenzanalyse. Es wird das Handeln und Vorgehen abgewogen, wobei gängige Schemata und Mechanismen ihren Lauf nehmen. Das bedeutet im Klartext: man hat die Wahl zwischen einem guten Buch oder - wenn das zu optimistisch ist - auch einer Zeitung (in ihrem Fall nehmen wir die „Bild“ oder der unbarmherzigen und gewissenlosen Betrachtung des Ober-Arschlochs Dieter Bohlen auf RTL. Da gängige Schemata und Mechanismen sich natürlich seit jeher als bewährt erachten ließen, greifen sie natürlich auch hier wieder in vollem Ausmaß durch. Und schon beginnt es…

 

 

 

Das ewige Schauspiel aus zusammen geschnittenen Szenen und vorgefertigten Sprüchen, die in der Show eine Art von Schlagfertigkeit ausstrahlen sollen und die verblödeten Assis, welche sich durch die Degradierung jener armen Schweine, welche zugegebener maßen manchmal echt masochistisch und realitätsfern sein müssen, natürlich auch in keinster Weise angesprochen fühlen dürfen, nimmt ihren Lauf…

 

Mal ganz davon abgesehen, dass das die Farce schlechthin ist, da es RTL sicherlich nicht um die Realisierung eines infantilen Traumes geht, sondern – wer kann es ihnen verdenken – um Einschaltquoten. Die „Künstler“, die gewinnen, kriegen Verträge vorgesetzt, die ihnen wie Fesseln vorkommen müssen und ihre künstlerische Freiheit einschränken. Es wird auf perfide Art und Weise die Naivität der jungen verträumten Bevölkerung ausgenutzt, welche dort vor einem Millionenpublikum lächerlich gemacht werden. Dabei reg ich mich nicht einmal über die Arschlöcher von Freunden und Verwandten auf, die eines Philisters in nichts nach stehen aufgrund ihrer verblümten Bewertung des nicht vorhandenen Könnens einiger Bewerber, die gerade dadurch den Mut dazu fassen, sich vor ganz Deutschland bloßzustellen. Ich reg mich eher darüber auf, wie skrupellos sichtlich geistig verwirrte und oft auch wirklich armselige Gestalten für die Wettbewerbsfähigkeit missbraucht werden. Wer Dieter Bohlen, dem Großinquisitor der Popmusik, einmal zuhört, der hört neben dem ganzen metaphernreichen Verblödungsgestammel immer dieselbe Aussage. „Du siehst scheiße aus!“ In einer Show, in der es doch eigentlich nur um das künstlerische Können gehen sollte, kommt vor dem Argument, dass man nicht singen kann, die Bloßstellung der optischen Erscheinung – „du siehst scheiße aus, du kommst nicht weiter! Ach ja, und singen kannste auch nicht“ Das Schlimmste ist allerdings, dass Dieter Bohlen beim Großteil der Bevölkerung auf Resonanz stößt, weswegen die Sendung so erfolgreich ist. Eine von vielen Sendungen, die sich die Deutschen nicht einmal selber haben einfallen lassen. Ideen, die von anderen Ländern und Sendern abgekauft werden mussten, um unsere zu verblödende Bevölkerung zu füttern, bis wir letztendlich vor Dummheit platzen.

 

Also, die Frage, die sich nach all dem wirklich jedem nun schon so aufdrängen müsste, dass sie ihm mit der Kotze hochzuschnellen scheinen müsste: Was ist mit uns los? Was ist mit uns los, dass wir uns in diese Trivialität stürzen? Wo ist das Land der Dichter und Denker geblieben? Wieso ist das einzige Attribut, was man uns heutzutage nur noch zugute halten kann, dass wir ein Land der potenziellen Bundestrainer sind? Wieso verfallen wir der politischen Ohnmacht, in der wir immer die Partei an den Pranger stellen, die gerade an der Macht ist und in der wir langsam dem Glauben verfallen, dass es sowieso egal ist, welche Partei an der Macht ist? Wieso stemmt sich keiner dagegen? Wieso glaube ich, dass wir aus dieser Lethargie der Ohnmacht nicht mehr herauskommen? Wieso retten wir Banken und Konzerne und lassen unsere Umwelt wohl für immer auf Hilfe warten, bis sie uns irgendwann auch nicht mehr helfen wird. Wieso sind wir alle so dumm, dass wir nichts hinterfragen? Wieso ist die Welt für uns ein Wohlfahrtverein, in dem wir essen, was wir auf den Tisch bekommen, gutgläubig, naiv, dumm – ohne vielleicht mal einen Blick auf den Koch zu werfen, ob er nicht doch ein paar Schamhaare oder sonstige Exkremente hat in die Suppe fallen lassen, sie schmeckt ja so extrem salzig! Schmeckt sie euch nicht salzig? Seid ihr schon so gefühlstaub? Ich glaube, es bringt nichts, sich aufzuregen. Jedenfalls nicht punktuell. Man kann jedem ans Bein scheißen, jeder hat irgendwas ausgefressen, jeder hat Leichen im Keller. Ist es nicht Dummheit und Naivität, dann ist es Rücksichtslosigkeit und Perfidie, diese Dummheit ausnutzend! Jeder, wirklich jeder kann sich angesprochen fühlen – und ich glaube, jeder fühlt sich irgendwie angesprochen! Egoisten; Mitläufer; Leute, die andere für ihr Leid verantwortlich machen.......

 

to be continued^^

5.3.10 21:27

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