welch ekliges Thema, so richtig abstoßend...

Die Liebe, ein prekäreres Thema kann man sich nicht wählen, um über etwas zu schreiben. Es ist deswegen gerade so heikel, da es von jedem subjektiv interpretiert wird. Also, was ist denn nun eigentlich Liebe? Liebe ist doch, wenn man sich brauch, wenn man ohne den anderen nicht leben kann, wenn das Herz zur selben Zeit oder auch sukzessiv schnell und langsam schlägt, Liebe ist wie tausend Sonnenaufgänge…Halt! Stopp!

 

So geht das nun wirklich nicht. Es ist in der heutigen Zeit eine gängige Methode, Metaphern, Phrasen und Allegorien zur Beschreibung von Dingen zu verwenden, dessen man zu beschreiben sonst nicht in der Lage oder fähig ist. Doch um dessen Herr zu werden, um es irgendwie begreiflich zu machen, oder um bei überemotionalen Mädchen zu landen, fabuliert man – angehaucht durch die vielen Meg Ryan Filme – sein Innerstes nach außen. Was ist also die Liebe? Ist es nicht einfach eine chemische Reaktion? Ausgelöst durch Botenstoffe, die unsere Emotionen und unser Fühlen beeinflussen? Ist Fühlen nicht also doch ganz einfach etwas Körperliches? Es ist z.B. erwiesen, dass Frauen in Zeiten der Menstruation eher auf markante Männer stehen, die Selbstbewusstsein und einen gewissen Status ausstrahlen und personifizieren – also die Machos. Wenn sie jedoch mal nicht menstruieren, sind sie eher dem familiären Mann verfallen, welcher durch seine treue und liebevolle Ader als Beschützer der Familie fungiert. Und wenn man davon ausgeht, dass Liebe eine rein körperliche Ursache hat, kann man sie dann nicht auch kontrollieren durch puren Willen?

 

Oder ist die Liebe einfach nur ein Konstrukt – eine bourgeoise Vorstellung - erschaffen von den Medien, der Gesellschaft, also der Mediengesellschaft zur Aufrechterhaltung und Durchsetzung der Ziele des Konsum-Kapitalismus? Wird der Begriff Liebe heutzutage nicht so inflationär verwendet, sei es von Partnern in ihrer intraspezifischen Beziehung oder von den Medien allgemein, dass er jegliche Bedeutung verliert?

Der Grundgedanke der Liebe ist gar nicht mal so verkehrt. Ohne diese ganze übertriebene Darstellung ist die Liebe wohl einfach die intersubjektive Anerkennung mit der auf moralischer Basis begründeten Funktion zur gegenseitigen Unterstützung und Respektierung.

Doch im Laufe der Zeit wurde von der Liebe ein Bild kreiert, welches die Erwartungen in selbige quasi ins Unermessliche steigen lässt.

Dabei nehmen tradierte Erfolgsrezepte seit jeher Überhand. „Gegensätze ziehen sich an“, „man muss erst sich selbst lieben, bevor man andere lieben kann“ oder dass es stets um funktionierende Kommunikation geht, welche eine Beziehung erst erstrebenswert und langwierig sein lässt. Diese Halbwahrheiten haben sich derart pauschalisiert, dass niemand mehr anfängt sich selbst ein Bild davon zu machen, was ihm am wichtigsten erscheint. Im Fußball z.B., um dieses Thema auch Männern begreiflich zu machen, gibt es ebenfalls solche Weisheiten und Dogmen. „Ein Spiel müsse immer über die Flügel gehen, wenn es Erfolgs versprechend sein soll; man muss Zweikämpfe gewinnen, um das Spiel zu gewinnen; es bringt nichts, durch die Mitte zu spielen“ oder der Klassiker: „der gefoulte soll den Elfmeter niemals selbst schießen“. Alles Unfug!  Ich ertappe mich selber häufig dabei, selbst anzunehmen, dass man sich immer auf den anderen freuen muss als Zeichen dafür, dass die Beziehung noch intakt ist.

 

Man sollte sich von solch abgehobenen Maximen jedoch nicht verrückt machen lassen. In einer Beziehung spielt man sowohl über die Flügel als auch durch die Mitte und in ihr zählen keine gewonnenen Zweikämpfe! Solange man ein eingespieltes Team ist, sollte man aufhören, auf andere Menschen zu hören. Ich bin mir der Tatsache durchaus bewusst, dass das gerade eine Paradoxie ist, welche eingehalten werden soll, aber nicht eingehalten werden darf, um eingehalten zu werden. Fakt ist jedoch, dass nur man selbst entscheiden kann, was man denkt – und daran sollte sich auch niemals was ändern. Und deswegen sollte es auch niemanden stören, dass ich meine eigentliche Frage nach einer Definition der Liebe nicht beantwortet hab. Als gäbe es eine Universal-Definition. Denkt für euch selbst nach…

 

 

21.10.09 18:18

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


TeiXeR / Website (21.10.09 20:11)
"Denkst für euch selbst nach..." Was für ein tolles Schlusswort. ;-)
Macht richtig Spaß, sich das durchzulesen. Gab ein paar Stellen, bei denen ich wirklich schlucken musste, weil sie in ihrer schweren Verständlichkeit doch absolut logisch waren. Und auch mit den Absätzen klappt das schon erstaunlich gut.
Bravo, grandios, großartig. Ist dir das alles an einem Tag eingefallen???

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