Hoffen, glauben, träumen - schwächeln, sich belügen, andere belügen

Und da liegt man nun, hört die Lieder, hört die Texte. Jene, in denen die Künstler über ein berauschendes Leben erzählen, zusammengefasst und komprimiert in 4 Minuten geballter Emotion. Und schon ist man dazu geneigt, sich selbst darin hinein zu versetzen, als würde man ein aktionsreiches, aufregendes Leben in 4 Minuten durchleben können. Ungeachtet all seiner Ängste, Zweifel, Gewohnheiten, gesellschaftlicher Konvention und/oder Erfahrungen, die einen sonst gerade jenes erwünschte zunichte machen versuchen und daran von uns in erster Linie auch nicht gehindert werden. Da liegt man also nun und ersehnt sich dieses Leben. Und für einen kurzen Augenblick, für diese 4 Minuten des Liedes, ist man voller Tatendrang, ob aus Verzweiflung oder wirklichem Glaube sei dahin gestellt. Doch jener Tatendrang versiebt im Anblick der Tat selbst.In diesem Lied klang es alles so einfach, 4 Minuten lang muss man seine Attitüde ablegen und kann nun dieses Leben leben. Doch wenn man sich dessen tagelang gegenüberzustehen sieht, ist der Mut verloren. Und somit sieht man sich wieder da liegend und den Liedern lauschend von eben jenem ersehnten leben schwärmen.

Und man erkennt darüber hinaus nur schwer, was man selbst für ein leben zu pflegen versucht. Würde man sich dessen bewusst werden, dass jeder geträumte Tag kein Tag seiner selbst ist, würde man mutig und fest entschlossen sein Leben selbst in die Hand nehmen. Doch dafür sind wir zu bequem, gefällig und im Alltag gefangen. Man prokrastiniert sozusagen sein eigenes Leben. Schiebt es vor sich hin, es bleibe einem ja noch genügend Zeit. Doch wie es immer mit Verlusten ist, werden sie erst in vollem Ausmaß gespürt, wenn man sich ihrer sicher ist - zuvor hofft man.

Hoffnung – eine der schwächsten menschlichen Eigenschaften. Realitätsverzerrend, aktivitätslähmend. Ein Produkt, nicht die summe!, aus den beiden elementarsten psychologischen Prozessen des Menschen – dem Fühlen und dem rationalen Denken – entzieht es dem letzteren der beiden fast vollends die Essenz zugunsten des anderen und zuungunsten des Menschen. Zwar ist es abzuheben vom Wünschen, bei welchem man sich eher auf Ereignisse fixiert, die man selbst als eher unwahrscheinlich erachtet. Jedoch neigt es dazu, alles erhoffte bald als wünschenswert erachten zu müssen. Einerseits seiner rationalen Denkprozesse und Handlungstriebe, die hier eigentlich in höchster Konzentration benötigt werden, beraubt, mindert es die Erfolgschancen durch das pure hoffen, sich sehnen oder dergleichen in Situationen, in denen eigentlich nur der Mensch selbst alles in der Hand zu haben scheint. Andererseits setzt man/es eben jene Denkschemata des rationalen Verstandes bewusst vollends außer kraft, weil die menschliche Kapazität an Niederschlägen und negativen Gefühlen begrenzt ist, wodurch man sich bewusst selbst belügt – aus Schwäche. Wie oft hoffen Menschen, dass ein anderer, welcher als Erlösung unserer selbst aus der Einsamkeit angesehen wird, nun letztendlich doch anruft. Wie oft belügen sie sich damit selbst, und berauben sich damit kostbarer Zeit und auch Kraft. Und tritt ein erhofftes Ereignis einmal doch ein, so war nichts umsonst, all das selbst zugefügte Leid der Hoffnung auf eintretende Ereignisse, als hätte grade die Hoffnung selbst jenes Ereignis erst möglich gemacht.

Man möchte mich nicht falsch verstehen. Es gibt sicherlich auch die positive Form des Hoffens. Jene, die zur Aktivität animiert, jene, die motivierend auf den Mensch und seine Handlungen einwirkt. Nur leider beschränkt sich Handeln und Denken heutzutage bei den meisten Menschen lediglich auf die Handlung des Denkens, nämlich das Hoffen selbst und alleine. Somit ist es nichts als mutloses Gedenke. Taten sind bei der Mehrheit der Hoffenden nicht zu erwarten.

Die schlimmste Fraktion der Hoffenden ist dabei die der Gläubigen – wer hätte es gedacht. Religion! Die Übermittlung der Werte und Normen im alltäglichen Leben und in Bezug auf seine Mitmenschen ist dabei nicht das Problem. Doch fanatischer Glaube hat in der Geschichte des Menschen zu solch erleuchtenden Ereignissen wie die Inquisition, Hexenverbrennung oder auch Martyrer-Selbstmordattentaten geführt, bei denen andere Menschen für „höhere Zwecke“ missbraucht werden und ihnen eingeredet wird, dass im Martyrerhimmel 70 Jungfrauen auf sie warten, wobei heutzutage noch nicht wirklich übermittelt worden ist, ob es sich dabei wirklich um 70 Jungfrauen oder nur eine 70-jährige Frau handelt. Religion hat als Pendant des menschlichen Geistes den allgemeinen Fortschritt ausgebremst, indem man als eine der höchsten Instanzen technische oder auch astrologische Erweiterungen im Keim ersticken konnte. Auch heute muss die Kirche keine Steuern bezahlen und zieht den Menschen das Geld aus den Taschen. In England hat die Kirche eine Familie verklagt, welche auf altem Kirchengrund hausierte. Diese verarmte Familie musste daraufhin mehrere hunderttausend Euro an die Kirche als Entschädigung zahlen wegen einer veralteten Hoheitsurkunde. Ja, die Kirche schert sich um die Menschen, natürlich! Die einzigen Menschen, um die sich die Kirche und ihre Mitglieder scheren, sind kleine Knaben! Und darüber hinaus: wer heute, nach all den evolutionsbiologischen und historischen Erkenntnissen, immer noch an die Existenz einer transzendenten Kraft glaubt, welche uns alle aus den Fingern gezaubert haben muss, der muss schlicht und ergreifend verrückt sein! Religion, Hoffnung und Glaube, sind sackloses Gedenken – ganz einfach formuliert!

Menschen sehen Gott als Angeklagten für ihre Leiden. Andere nehmen ihn als Ausrede und Rechtfertigung für ihre Taten. Wiederum andere glauben wohl einfach an ihn, weil sie nicht mit der Vorstellung leben können, ein unbedeutendes Individuum in einem endlosen Kreislauf von Leben und Tod zu sein. Egal welchen Grund man dafür hat, wenn man seine Stärke aus solchen Trugschlüssen und Lügen bezieht, dann hofft und glaubt man aus Schwäche!...was war eigentlich nochmal das Thema...?

19.10.09 19:17

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


blubb (20.10.09 16:10)
da fallen mir folgende worte ein:

*typisch du - einfach rational
*du bist ein kind der aufklärung
*Nathan wäre stolz auf dich

aber trotzdem sehr gut geschrieben


TeiXeR / Website (20.10.09 22:05)
Ey, über die Sache mit der Religion (besonders in Bezug auf die muslimische) habe ich erst letztens mal nachgedacht. Wollte eigentlich auch einen Text darüber schreiben. Aber meine Hoffnung, dass sich jemand anderes der Sache annimmt, hat sich bewährt. DANKE GOTT! xD Du hast es besser gemacht, als ich es vorhatte. Ein schöner komplexer Text, dessen Themenvielfalt nahtlos ineinander greift und einen fast überrollt, wie ein Panzer:

(Ja ja, ich wollte nur den Panzer-Smilie irgendwie in diesen Kommentar hineinbringen. ^^ )

Aber noch ein Tipp am Ende: Versuch bitte, mehr Absätze zu lassen. Sorgt für Übersicht (nachdem ich mal geblinzelt habe, war ich schon in eienr ganz anderen Zeile unterwegs :-p ) und hebt oder senkt die Bedeutung von bestimmten Passagen. Unterschätze nie diese Macht! ....Luke ;-)
Hübsche Blogseite übrigens. :-D

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